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Demokratisch Handeln - Ein Wettbewerb für Jugend und Schule

Der Wettbewerb Demokratisch Handeln wird seit 1990 für alle allgemeinbildenden Schulen in Deutschland ausgeschrieben. Mit der Aufforderung "Gesagt! Getan: Gesucht werden Beispiele für Demokratie. In der Schule und darüber hinaus" sollen schulischen Gruppen angesprochen, insbesondere aber Schülerinnen und Schüler zum Mitmachen gewonnen werden. Ideelle Partner des Wettbewerbs sind die Theodor-Heuss-Stiftung e. V. und die Akademie für Bildungsreform. Mitglieder dieser beiden bürgerschaftlichen Initiativen haben einen "Förderverein Demokratisch Handeln e.V." gegründet, der den Wettbewerb trägt und am Lehrstuhl für Schulpädagogik und Schulentwicklung eine Geschäftsstelle eingerichtet hat.

Welche Ziele hat der Wettbewerb?

Der Wettbewerb Demokratisch Handeln will demokratische Haltung und demokratische Kultur im gelebten Alltag von Schule und Jugendarbeit stärken. In der Begegnung mit Anderen sollen Fragen und Probleme sichtbar und ein Korridor zur politischen Verantwortung geöffnet werden. Handeln und Lernen sollen sich verbinden. Es geht um die Anerkennung herausragender Leistungen für die Demokratie und das Gemeinwesen und um die Förderung von "demokratischer Handlungskompetenz" und "kritischer Loyalität" bei Schülerinnen und Schülern, aber auch Lehrerinnen und Lehrern.

Wer kann teilnehmen?

Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler alleine, in Gruppen oder zusammen mit Lehrenden aller Schularten und Schulstufen, auch mit Eltern und mit Jugendarbeitern. Es interessieren Themen und Projekte aus dem Alltag von Schule und Sozialarbeit, insbesondere solche, die eine eigenverantwortliche Tätigkeit der Schülerinnen und Schüler ermöglichen.

Wann und wie wird der Wettbewerb durchgeführt und wann werden die Preise verliehen?

Bis zum 30. November jeden Jahres können die Dokumentationen eingereicht werden. Im Frühsommer des Folgejahres werden etwa 50 Projekte zur Teilnahme an der "Lernstatt Demokratie" ausgewählt. Dort können die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse präsentieren und an Themen und Formen demokratischen Engagements arbeiten. Die "Lernstatt Demokratie" findet von Jahr zu Jahr in einem anderen Bundesland in Kooperation mit Schulen und pädagogischen Einrichtungen statt.

Preis und Anerkennungen: Die Lernstatt Demokratie

Die Lernstatt Demokratie ist Abschluss der jährlichen Ausschreibung. Diese mehrtägige Veranstaltung, die im Frühsommer des auf die Ausschreibung folgenden Jahres stattfindet, lässt sich durch folgende Elemente kennzeichnen: "Eine öffentliche Ausstellung der eingeladenen Projekte, an die sich eine Fortbildungsveranstaltung und ein moderierter Erfahrungsaustausch anschließt. "Ganztägige Workshops, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Experten unterschiedlicher Professionen (Journalisten, Schriftsteller, Kabarettisten, Medienfachleute etc.) an Themen der Politik arbeiten. Die Workshops münden in eine Präsentation der Ergebnisse. "Die öffentliche Auszeichnung der Teilnehmer mit Übergabe einer Anerkennungs-Urkunde." Gesprächsrunden mit Politikern und Politikerinnen Die Lernstatt gibt durch ihre kreative Atmosphäre Impulse für die weitere schulische Arbeit. Gruppen, deren Projekte gelungen sind, erfahren, dass ihr Tun für andere anregend sein kann. Wer erst am Beginn steht oder mit Schwierigkeiten kämpft, erhält Hinweise und gewinnt Partner. Nicht selten entstehen so neue Pläne und Projekte. Wesentlich für die Lernstatt Demokratie ist ihr öffentlicher Charakter, der sich in der Präsentation für die Medien und die lokale Öffentlichkeit des Veranstaltungsortes, in den Begegnungen und Gesprächen und in der Ausstellung zeigt, die Themen und Formen demokratischen Handelns anschaulich und genau vermittelt.

Wer finanziert und fördert den Wettbewerb?

Der bundesweite Wettbewerb "Förderprogramm Demokratisch Handeln" wird von mehreren Partnern v.a. der öffentlichen Hand, aber auch aus Stiftungen, Sponsoren und freien Spenden finanziell unterstützt. Die Ausschreibung des Wettbewerbs wird aus Mitteln des BMBF gefördert. Ein Projekt zur regionalen Beratung, zur Fortbildung von Lehrenden und Schülerschaft, zur Projektbegleitung von Schulen vor Ort und zur Basisfinanzierung der bundesweiten Abschlussveranstaltung "Lernstatt Demokratie" wird von einer Gruppe von Landeskultusministerien unter Federführung des Thüringer Kultusministeriums finanziell unterstützt. Zusätzliche Mittel aus Stiftungen werden jedes Jahr akquiriert. Sitzland ist Thüringen.

Die Ergebnisse

Seit 1990 sind bei dem Wettbewerb in bislang 19 Ausschreibungen 3739 Projekte eingereicht worden. Alle Projekte wurden erfasst, dokumentiert und fachlich ausgewertet. An unserer Ausschreibung haben sich Gruppen aller Schularten und Schulformen und aus allen Bundesländern beteiligt. In den Projekten werden pädagogisch und politisch wichtige Themen in übertragbaren und wirksamen Formen des Lernens bearbeitet. Diese Themen sind: Demokratie in der Schule; Gewalt; das Zusammenleben und der Umgang mit Minderheiten; Umwelt und Umweltschutz; Auseinandersetzung mit der Geschichte, besonders der NS-Geschichte; Handeln in der kommunalen Öffentlichkeit. Die wichtigsten Ergebnisse, Handlungsformen und eine Reihe interessanter Beispiele wurden jüngst in einer Monographie der Fachöffentlichkeit vorgestellt (Beutel/Fauser 2001). Mit etwa 600 Schulen und Projektgruppen ist bei der Lernstatt und zahlreichen anderen Veranstaltungen und Beratungen zusammengearbeitet worden.

Expertise für das BLK-Programm "Demokratie lernen und leben"

Darüber hinaus hat der Wettbewerb eine wichtige fachliche Expertise hinsichtlich "guter Praxis" von Schulen und Projekten, die für die Entwicklungsziele des seit einem Jahr begonnenen BLK-Projektes "Demokratie lernen und leben" einschlägig sind. Entsprechend konnten die wesentlichen Handlungsstrategien und die fachliche Begründung der Programmziele vor dem Hintergrund auch dieser Wettbewerbs-Erfahrungen präzisiert werden. Zum jetzigen Zeitpunkt empfiehlt sich der Wettbewerb als Partner für die Erarbeitung von Fortbildungsangeboten im BLK-Programm. Mittelfristig kann er im Blick darauf eine "Such- und Beobachtungsfunktion" für die Entwicklungs- und Gestaltungskräfte demokratisch gehaltvollen Erfahrungslernens an der Schule einnehmen.

Lit.: Beutel, W., Fauser, P. (Hrsg.): Erfahrene Demokratie. Wie Politik praktisch gelernt werden kann. Opladen 2001 (Leske+Budrich), 358 S.

 
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